Software für den Sachunterricht
Seit einiger Zeit beschäftigt sich das Fachgebiet
im Rahmen unterschiedlicher Forschungsprojekte wie "Freinet im Hypermediazeitalter" (1996-1998)
, "Beobachtung und Analyse computerunterstützter Unterichtssituationen"
(1998 - 2000) sowie insbesondere dem vom BMBF geförderten Entwicklungsprojekt
"RMS - Radfahren mit Multimedia-Software" mit Möglichkeiten und Grenzen
der "neuen Technologien und Medien" im Rahmen eines kindgerechten (Sach-)Unterrichts.
Dabei fließen Ergebnisse der bisherigen Forschungsarbeiten bezüglich
des technischen Denkens sowie der geschlechtsdifferenzierten Herangehensweise
ein.
Zur Bewertung von kommerziell angebotener Lernsoftware
(Edutainment u.ä.) wurde im Rahmen des Freinet-Projektes ein an den Fragestellungen
des Sachunterrichts orientierter Kriterienkatalog erarbeitet und erprobt.
Erarbeitet und konzipiert wurde der Kriterienkatalog im Rahmen
des Projektes "Freinet im Hypermediazeitalter" von
Stefan Thiele.
Im Anschluß findet sich der Text des Fragenkatalogs
in einem veränderten Layout. Der Originalkatalog ist über
Frau Dr. Zolg
zu beziehen.
Der Fragenkatalog ist als Hilfswerkzeug zur Beurteilung
und Bewertung von Softwareprodukten für den (Sach-)Unterricht der Grundschule
konzipiert.
Im Unterschied zu vergleichbaren Bewertungsinstrumenten
stehen hier die speziellen Anforderungen, die sich aus einem Einsatz im Unterricht
der Grundschule ergeben, im Vordergrund. Aufgrund unserer Schwerpunktsetzung
orientieren sich die Fragen an den Programminhalt speziell an den Aufgaben
und Zielen des Lernbereichs Sachunterricht. Die Fragen an die Softwaregestaltung,
die Programmstruktur und die pädagogisch-didaktische Gestaltung lassen
sich allgemein an Software für den Grundschulbereich formulieren. Der
Fragenkatalog liefert Kriterien, um Softwareprodukte vor einem unterrichtlichen
Einsatz zu untersuchen.
Eine große Zahl positiv beantworteter Fragen sollte
nicht zum ausschließlichen Kriterium für die Qualität des
untersuchten Programms gemacht werden. Wichtiger erscheint uns eine individuelle
Gewichtung der Fragen vor dem Hintergrund der jeweiligen Einsatzbedingungen.
Das Original des Fragenkatalogs bietet hinter jeder Frage
vier Bewertungssymbole und eine Linie als Raum für eigene Notizen. Die
Symbole +, ~ und - lassen sich mit gut, befriedigen und schlecht übersetzen.
Es ist denkbar, daß aufgrund besonderer Programmkonzeptionen
(themenbezogene Datenbestände, Schreibwerkzeuge etc.) einige Fragen nicht
zu beantworten sind. Diese Fragen können im Katalog als unwichtig durch
den Schrägstrich (/) gekennzeichnet werden. Ebenso sollten fehlende,
nicht berücksichtigte Aspekte und Fragestellungen ergänzt werden,
um schließlich einen an die jeweiligen Bedingungen angepaßten
Fragenkatalog zu erhalten.
Allgemeines zur Software
- Hersteller:
- Programmname:
- Version:
- Hardwareanforderungen:
- Softwarevorraussetzungen / Betriebssystem:
- Altersangabe des Herstellers:
- Handbuch, Begleitmaterial:
- Preis:
- Kurzbeschreibung:
Fragen an den Programminhalt / Programmthematik
- Orientieren sich die Programminhalte an der sozialen,
natürlichen und technischen Umwelt der Kinder?
- Sind Programminhalt und Thematik orientiert an den
fachspezifischen Aufgaben und Zielen des SU oder an den fächerübergreifenden
Aufgabengebieten (curricularer Bezug)?
- Werden intergrative Bezüge hergestellt und ergeben
sich daraus weiterführende ergänzende Lernprozesse?
- Sind Zusammenhänge und Informationen inhaltlich
korrekt, stimmig und frei von Fehlern wiedergegeben?
- Werden Quellen von im Programm verwendeten Dokumenten
nachgewiesen (Transparenz)?
Fragen an die Softwaregestaltung / technische Realisierung
- Ist das Programm frei von Programmierfehlern (bugs);
läuft es auch bei unsachgemäßer Bedienung stabil?
- Sind die verwendeten Bilder, Grafiken und Symbole
korrekt dargestellt und gut erkennbar?
- Läßt sich die verwendete Schrift/Schriftgröße
problemlos und einfach lesen?
- Sind softwarebedingte Lade- und Wartezeiten kurz?
- Erscheint die Programmoberfläche klar strukturiert
und übersichtlich; ist die Bedeutung von Buttons und Symbolen intuitiv
erfaßbar?
- Läuft das Programm problemlos auf der verwendeten
Hardware und dem eingesetzten Betriebssystem?
Fragen an die Programmstruktur / Präsentation
- Sind multimediale Elemente
(Texte, Bilder, Grafiken, Töne, Filme, Animationen etc.) im Programm
enthalten?
- Besteht eine ergänzende Beziehung und ein Zusammenhang
zwischen dem Einsatz multimedialer Elemente und Programmzielen und -inhalten?
- Enthält das Programm einen
Hypertext
, der Lernprozesse ermöglicht und fördert, ohne durch Unübersichtlichkeit
zu verwirren?
- Sind Zusatzmodule (Schreiben, Malen, Zeichnen, Rechnen,
Konstruieren etc.) integriert?
- Erlaubt die Programmstruktur einen naiv-spielerischen
Zugang und eine intuitive Nutzung?
- Ist die Bearbeitung problemlos zu unterbrechen und
zu beenden, ist eine Teilbearbeitung möglich, können die Arbeitsergebnisse
gesichert werden?
- Kann in einer umfassenden Protokolldatei (Verlaufs-,
Fehler-, Vergleichsprotokoll etc.) der Bearbeitungsweg gesichert werden?
- Gibt es eine Suchfunktion, um gezielt an Informationen
zu gelangen?
- Ist ein hohes Maß an
Interaktivität
zwischen Programm und den Schülern gewährleistet?
- Sind Programmergänzungen und (kreative) Veränderungen
möglich?
- Sind, nachdem Aufgaben bearbeitet wurden, selbständige
Fehlerkontrollen und -korrekturen möglich?
- Kann eine (gestufte) Hilfsfunktion aufgerufen werden?
Fragen an die pädagogisch-didaktische Gestaltung
- Orientieren sich die Inhalte an der Lebenswirklichkeit,
den Interessen und Fragestellungen der Kinder?
- Wird eine kindgerechte Sprache frei ist von sachlichen
Verzerrungen und Kindtümeleien verwendet; werden unbekannte Begriffe
erklärt?
- Sind unterschiedliche Lerniveaus bei der Gestaltung
berücksichtigt worden?
- Läßt sich das Programm individuell verschiedenen
Bearbeitungstechniken und Lernvoraussetzungen entsprechend anpassen und konfigurieren?
- Ist das Programm durch eine breite inhaltliche Gestaltung
in verschiedenen Lernsituationen und zu unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten
einsetzbar?
- Ist spontanes, eigenständiges und selbstbestimmtes
Arbeiten und Lernen ohne fremde Hilfen möglich?
- Werden mehrperspektivische Betrachtungen durch enthaltene
Informationen angeregt?
- Motivieren die Programminhalte an sich, oder werden
zusätzliche Gestaltungselemente (Leitmotive) und Effekte benötigt?
- Stehen die zusätzlichen Gestaltungselemente und
Effekte in einem angemessenen Verhältnis zu den Programmzielen und -inhalten?
- Kann gemeinschaftlich, kooperativ (in Kleingruppen)
gearbeitet werden, werden Anregungen dazu gegeben?
- Werden Kommunikationsprozesse initiiert?
- Ist das Programm frei von stereotypen, gewaltverherrlichenden
oder rassistischen Inhalten, wird auf ein geschlechtsspezifisches oder altersbestimmtes
Rollenverständnis verzichtet?
- Führen Dokumente aus dem Programm heraus und
veranlassen zu handelnder Auseinandersetzung mit der Alltagswelt und zum
Sammeln authentischer realer Erfahrungen?
- Werden lange passiv-rezeptive Phasen vermieden?
- Werden Anregungen zum Nachdenken, eigenständigen
Deuten und Erklären von Zusammenhängen gegeben?
Gesamtbeurteilung
- Programminhalt / Programmthematik:
- Softwaregestaltung / technische Realisierung:
- Programmstruktur / Präsentation:
- Pädagogisch-didaktische Gestaltung:
- Bemerkungen:
Erklärungen
Multimedia
In das Programm bzw. in Programmdokumente sind Texte, Grafiken,
Bilder, Tonsequenzen, Bildfolgen, Filme, Simulationen integriert. Auch Kombinationen
verschiedener Elemente sind möglich.
Hypertext
Einzelne Programmdokumente sind miteinander verbunden.
So lassen sich innerhalb der Einzeldokumente vielfältige Verbindungen
herstellen. Eine Netzstruktur entsteht, die Basis für den Hypertext.
Der Hypertext ist zunächst unsichtbar. Erst durch das Bewegen und Navigieren
innerhalb der Netzstruktur wird der Hypertext lesbar, und es lassen sich
zusätzliche Informationen vermitteln. Der Hypertext liegt auf einer
der Programmstruktur übergeordneten Ebene. (Nicht gemeint sind Hypertextsysteme,
die in der Informatik als Programmiersysteme Verwendung finden.)
Interaktivität
Ein hoher Grad an Interaktivität ist gleichbedeutend
mit größtmöglichen Einflußmöglichkeiten, die einem
Anwender auf Programmablauf und -struktur eingeräumt werden. Wichtig
sind vielfältige Programmverzweigungen und ein direkter wahlfreier Zugriff
auf Informationen und Dokumente.
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verantwortlich: Dr. Monika Zolg, FB 10
Kassel, November 2001